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Demenz – was gibt es Neues?

24.04.2018, 0 Kommentare

Demenz – ein Thema, mit dem sich die Gesellschaft und das Gesundheitswesen derzeit intensiv auseinandersetzen. Über den Stand der Dinge und pflegerelevante Neuigkeiten informieren wir Sie hier.

Von Elke Steudter

(Quelle: Photo Visual Hunt)

Die Alzheimer Vereinigung schätzt, dass aktuell ca. 148'000 Menschen in der Schweiz an einer Demenz erkrankt sind. Der World Alzheimer Report gibt an, dass mehr als 46 Millionen Menschen weltweit von einer Demenz betroffen sind. Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl der weltweiten Demenz-Erkrankungen bis 2050 auf über 131 Millionen steigen wird. Die wachsenden Zahlen haben zweierlei Ursachen: Zum einen, dass die Krankheit immer besser und früher diagnostiziert werden kann. Und zum anderen, dass es zukünftig mehr alte und hochbetagte Menschen gibt, die ein höheres Risiko haben, an einer Demenz zu erkranken.


Neue SAMW-Richtlinie

Nicht selten entwickeln sich im Umgang mit Menschen mit Demenz ethische Konflikte. Diese Konflikte stellen Fachpersonen vor grosse Herausforderungen. Die Nationale Demenzstrategie sieht im Handlungsfeld 3 vor, ethische Grundlagen zu entwickelt und in der Praxis zu verankert. Ende 2017 hat die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) daher die Richtlinie zur Betreuung und Behandlung von Menschen mit Demenz herausgegeben. Die SAMW formuliert darin medizin-ethische Grundsätze, die helfen, sich im klinischen Alltag zu orientieren und reflektierte Entscheidungen zu treffen. Die Richtlinie wendet sich an Fachpersonen, die Menschen mit Demenz pflegen, betreuen und behandeln. Sie folgt damit dem interprofessionellen Ansatz. Da die Grundsätze den ambulanten und stationären Bereich berücksichtigen, lassen sie sich auf unterschiedliche Betreuungsorte (zuhause, im Heim, im Spital) übertragen.

(Quelle: Photo Visual Hunt)


Nationaler Expertenstandard entwickelt

Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) entwickelt einen neuen Expertenstandard zum Thema «Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz». Die Expertengruppe, die sich aus 15 Personen zusammensetzt, arbeitet seit 2015 an den Empfehlungen. Die Gruppe hat im Oktober 2017 an der Osnabrücker Konsensus-Konferenz einen Entwurf des Standards vorgelegt und mit dem Fachpublikum diskutiert. Im Frühjahr 2018 soll der Expertenstandard veröffentlicht werden. Er beruht auf internationalen Forschungsergebnissen, die von den Fachexperten aus Wissenschaft und Praxis systematisch recherchiert und analysiert worden sind. Die neuen Empfehlungen zum Thema Demenz ergänzen die zehn bereits bestehenden Expertenstandards. Diese Standards liefern wichtige Hinweise für das pflegepraktische Handeln und helfen, pflegerische Massnahmen evidenzbasiert zu planen und personenorientiert umzusetzen.

Aktuell führen 25 deutschen Einrichtungen für Menschen mit Demenz den Standard «Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz» als Modell ein und prüfen, ob er praxistauglich ist. Dieser Prozess, der im Juni 2018 abgeschlossen sein soll, wird wissenschaftlich begleitet und analysiert.


Nationale Demenzstrategie

Die Ende 2013 vom Bund und von den Kantonen initiierte Nationale Demenzstrategie wird um weitere zwei Jahre – bis 2019 – verlängert. Sie schafft die Basis, um Menschen mit Demenz bedarfs- und bedürfnisgerecht behandeln, pflegen und betreuen zu können. Darüber hinaus soll die strategische Verankerung des Themas «Demenz» dazu beitragen, die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen zu verbessern. Die Strategie umfasst vier Handlungsfelder mit insgesamt neun Zielen:

  • Handlungsfeld 1: Gesundheitskompetenz, Information und Partizipation
  • Handlungsfeld 2: Bedarfsgerechte Angebote
  • Handlungsfeld 3: Qualität und Fachkompetenz
  • Handlungsfeld 4: Daten und Wissensvermittlung

Nachdem das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gemeinsam mit der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) im Sommer 2016 erste Zwischenresultate veröffentlicht und evaluiert hat, geht es in der zweiten Phase der Strategie darum, die begonnene Arbeit in den verschiedenen Teilprojekten fortzusetzen. Die bisherigen Ergebnisse (z. B. die oben erwähnte medizinisch-ethische Richtlinie der SAMW) werden nun in die Praxis übertragen und dort angewendet.

Die Handlungsfelder nehmen neben gesellschaftlichen und medizinisch-diagnostischen Aspekten wichtige Themen der Pflege und der Pflegepraxis auf. Sie sehen beispielsweise vor, demenzspezifische Aus-, Fort- und Weiterbildungen für Fachpersonen der Gesundheits- und Sozialberufe zu entwickelt. Darüber hinaus sollen die Forschung und die Praxis zukünftig besser vernetzt und der Austausch gefördert werden.


Krankheitsklassifikation angepasst

In den letzten Jahren sind viele neue wissenschaftliche Resultate im Bereich Demenz und Diagnostik erzielt worden, die sich in den Klassifikationssystemen niederschlagen. So verwendet die aktuelle Version des DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders; übersetzt: Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen) den Begriff Demenz nicht mehr, sondern ersetzt ihn durch «Neurokognitive Störungen». Das Klassifikationssystem wird von der Amerikanischen Fachgesellschaft für Psychiatrie herausgegeben. Sie dient dem diagnostischen Verfahren in der Psychiatrie. Seit 2014 liegt die fünfte Version des Manuals (DSM-V) in deutscher Sprache vor. Im Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen (ICD-10; International Statistical Classification of Disease and Related Health Problems; übersetzt: Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) wird weiterhin der Begriff Demenz verwendet.


Dr. phil. Elke Steudter | Pflegewissenschaftlerin | Careum Weiterbildung

 

Quellen

Alzheimer`s Disease International (2015). World Alzheimer Report (PDF) (15.2.2018)

Alzheimer Vereinigung Schweiz (2018). Menschen mit Demenz in der Schweiz: Zahlen und Prognosen. (15.2.2018)

BAG & GDK (2016). Nationale Demenzstrategie 2014–2019. (15.2.2018)

DNQP (2018). Informationen. (15.2.2018)

ICD-10 (2018). Demenz. (15.2.2018)

Maier, W. & Barnikol, U.B. (2014). Neurokognitive Störung im DSM-5. Durchgreifende Änderungen in der Demenzdiagnostik. Nervenarzt, 85, p. 564–570. DOI 10.1007/s00115-013-3984-4

Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) (2017). Betreuung und Behandlung von Menschen mit Demenz. (15.2.2018)

 


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