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Das Gehirn ins Bewusstsein rufen

17.03.2020     Elke Steudter     246 Views     0 Kommentare

Alljährlich Anfang März findet in vielen Ländern die Brainweek statt. Das bietet Gelegenheit, Neues und Interessantes zur Pflege und Behandlung von Menschen mit Gehirnerkrankungen in den Blick zu nehmen.

Abbildung 1: Alte Menschen zeigen ein erhöhtes Risiko für Gehirnerkrankungen (Quelle Visualhunt)
 

! Hinweis zu Brainweek Veranstaltungen 2020 !
Aufgrund des Corona-Virus wurden die Veranstaltungen zur diesjährigen Brainweek abgesagt.
Bitte informieren Sie sich bei den Veranstaltern und online.


Demenz weiterhin im Fokus

Die Nationale Demenzstrategie Schweiz ist Ende 2019 ausgelaufen. Sie wird im «Dialog Nationale Gesundheitspolitik» in eine Plattform überführt. Über sechs Jahre (2014–2019) hinweg wurden schweizweit Projekte entwickelt und umgesetzt, wurde geforscht und publiziert, informiert und verbessert. Nun liegen aktuelle Ergebnisse zur Demenz für die Schweiz vor, die das BAG in einer übersichtlichen Broschüre zusammengestellt hat.

 

Abbildung 2: Demenz geht alle an (BAG, 2019, S. 11)

 

Demenz ist weltweit der häufigste Grund dafür, dass erwachsene bzw. alte Menschen in ihrer Selbstständigkeit behindert oder pflegebedürftig sind. Die Erkrankung wirkt sich nicht nur ökonomisch durch hohe Kosten aus, sondern auch durch die starken emotionalen Belastungen, die für Angehörige häufig damit einhergehen (WHO, 2017). Da aufgrund des Anstiegs der alten Menschen die Krankheitshäufigkeit weiter steigen wird, hat die Weltgesundheitsorganisation einen Aktionsplan entwickelt, der bis 2025 das gemeinsame Vorgehen im Umgang mit der Krankheit Demenz und die Versorgung der betroffenen Menschen aufgleist. Der Aktionsplan stellt die Gesundheitsversorgung von Menschen mit Demenz unter anderem unter folgende Prinzipien:

  • Wahrung der Menschenrechte von Menschen mit Demenz
  • Ermächtigung von und Engagement für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen
  • Evidenzbasierte Praxis, um die Erkrankungsrisiken zu senken und für die Versorgung von Menschen mit Demenz
  • Multisektorale Zusammenarbeit im öffentlichen Gesundheitswesen
  • Universelles Kranken- und Sozialversicherungswesen
  • Gleichberechtigung (z. B. zwischen den Geschlechtern, in Bezug auf MigrantInnen)
  • Aufmerksamkeit auf Prävention, Heilung und Pflege (WHO, 2017, S. 5)


Fortschritte in der Behandlung von Multiple Sklerose

Seit wenigen Jahren können Menschen in der Schweiz, die einen schweren Verlauf der schubweisen Multiple Sklerose zeigen, mit einer autologen Blutstammzellentransplantation behandelt werden. Dieses aus der Leukämietherapie bekannte Verfahren wird nach strenger Indikation nun bei Menschen mit der Autoimmunkrankheit angewendet und derzeit weiter erforscht, z. B. im Universitätsspital Zürich. Das Verfahren besteht aus verschiedenen Schritten: Zunächst werden blutbildende Stammzellen aus dem Knochenmark der Betroffenen entnommen und eingefroren. Anschliessend erhalten die Patienten und Patientinnen eine intravenöse Chemotherapie, die die fehlerhaft programmierten Immunzellen im Knochenmark zerstören. Dann werden die zuvor entnommenen blutbildenden Stammzellen den Patienten bzw. Patientinnen wieder zugeführt. Diese Zellen bauen innerhalb von zwei bis drei Wochen ein neues blutbildendes System auf, das in den Folgewochen zu einem neuen Immunsystem heranreift (vgl. DGN, 2019). Bisher liegen nur aus einer Studie Ergebnisse zum Erfolg dieser Therapie vor.


Beweglichkeit von Menschen mit Morbus Parkinson fördern

Menschen mit Morbus Parkinson sind unterschiedlich stark in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Daher sind sie in vielen Dingen des täglichen Lebens auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Vor allem auftretende Bewegungsblockaden erhöhen darüber hinaus das Sturzrisiko stark. Pflegende können den Betroffenen durch gezielte Reize helfen, diese Blockaden aufzulösen. Dieses Vorgehen wird unter dem Begriff «cueing» (cue = Auslöser) zusammengefasst. Die blockadenlösenden Reize können visuell, taktil oder auditiv sein. So lange es geht, sollen die Parkinsonerkrankten diese Reize selbst einsetzen, z. B. in dem sie mit einem Laserpointer Punkte auf den Boden zeichnen oder beim Gehen laut zählen. Inzwischen werden auch immer mehr Hilfsmittel angeboten, um auftretende Bewegungsblockaden zu lösen. In diesem Zusammenhang ist es von besonderer Bedeutung, Stürze zu vermeiden. Dies zählt unter anderem zu den wichtigsten pflegerischen Aufgaben (Steudter, 2020).

 

Dr. Elke Steudter | Pflegewissenschaftlerin | Wissenschaftliche Mitarbeiterin Careum Weiterbildung Aarau

 

Quellen

Bundesamt für Gesundheit BAG (2019). Demenz in der Schweiz. Eine Übersicht der Ergebnisse der Nationalen Demenzstrategie 2014–2019. Bern.

Deutsche Gesellschaft für Neurologie DGN (2019). Stammzelltransplantation bei MS: Ist ein «Reboot» des Immunsystems eine Option?

Steudter, E. (2020). Parkinsonerkrankte Menschen im Alltag unterstützen. Selbstmanagement durch gezielte Massnahmen fördern. NOVACura, 51 (2): 1–3.

WHO (2017). Global action plan on the public health response to dementia 2017–2025. Geneva.


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