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Übergänge – die Zeit zwischen Vor- und Nachher

17.04.2018, 0 Kommentare

Übergänge – sie sind natürliche und wichtige Begleiter in unserem Leben. Aber nicht alle sind einfach. Der Heimeintritt oder die schwere Krankheit sind beispielsweise Übergänge, bei denen die Betroffenen und ihre Angehörigen durch Fachpersonen unterstützt werden müssen.

Von Elke Steudter

Abb. 1: Pflegesymposium 2018


Im Leben müssen viele Übergänge bewältigt werden: Geburt, Kindheit und Jugend, Erwachsensein, Altwerden und schliesslich Sterben und Tod. Dies sind natürlich Stationen, die das Leben strukturieren. Aber was genau ist ein Übergang? Er ist eine Phase, die das Vorher mit dem Nachher verbindet, der etwas Altes abschliesst, Vertrautes zurücklässt und etwas Neues beginnen lässt. Er ist kein Moment, sondern ein Prozess, der unterschiedlich lange dauert und Zeit benötigt. Ausgelöst wird ein Übergang durch ein Lebensereignis, auf das der betroffene Mensch und sein Umfeld reagieren müssen. Unabhängig davon, ob selbst gewählt oder gezwungenermassen – ein Übergang ist mit einer Veränderung verbunden, die manchmal als Krise erlebt wird.


Merkmale des Übergangs kennen

In der Fachsprache wird der Übergang als Transition bezeichnet. Die amerikanische Pflegewissenschaftlerin Afaf I. Meleis beschäftigte sich bereits in den 1970er Jahren mit Übergängen und entwickelte eine Transitionstheorie. Die besagt, dass Übergänge ganzheitlich betrachtet und verstanden werden müssen. Dazu gehört auch, dass die Merkmale und die Bedingungen des Übergangs den daran Beteiligten bekannt sein müssen. In der Praxis wird häufig unterschätzt, dass Übergänge Phasen sind, in denen die Betroffenen sehr verwundbar sind und daher eine besondere Sorge verlangen. Denn durch das Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren ist die Zeit zwischen Vor- und Nachher ein komplexes Geschehen, das aktiv gestaltet und – falls möglich – frühzeitig geplant werden sollte.

Abb. 2: Übergänge gestalten


Übergänge begleiten und gestalten

Übergängen kann man aufgeregt und begeistert oder ängstlich und trauernd begegnen. Das hängt davon ab, ob sie positiv oder negativ bewertet werden. Pflegefachpersonen arbeiten täglich mit Menschen zusammen, die Übergänge er- und durchleben. In der Klinik erfahren beispielsweise Patienten oder Patientinnen, dass sie an Krebs erkrankt sind. Oder alte Menschen, die bisher zuhause gelebt haben, treten in ein Heim ein. Bei wieder anderen wird eine chronische Krankheit festgestellt. All diese Situationen sind kritische Lebensereignisse, die häufig mit Leiden, Verlust und Abschiednehmen verbunden sind. Es ist die Aufgabe von Fachpersonen des Gesundheits- und Sozialwesens, Menschen in dieser Zeit zu begleiten und gemeinsam mit ihnen den Übergang zum Neuen, noch Unvertrauten zu gestalten.


Wie Übergänge gelingen

Wie können Fachpersonen dazu beitragen, dass kritische Übergänge gelingen? Damit das Nachher bis zuletzt lebenswert bleibt und die Betroffenen das Leben nach dem Übergang in bestmöglicher Qualität fortsetzen können.

Obwohl Übergänge mit unterschiedlichen Konsequenzen für die Betroffenen und ihre Angehörigen verbunden sind (z. B. nicht mehr zuhause wohnen können, sterben und loslassen müssen) gibt es übergeordnete Prinzipien, um Menschen im Übergang zu begleiten: Es ist wichtig, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, die Sicherheit vermittelt. Die Betroffenen und ihre Angehörigen sollten dabei unterstützt werden, die neue Situation zu verstehen und bewusst anzunehmen. Damit sie Perspektiven entwickeln, sich das Nachher vorstellen und in ihr Leben integrieren können. Es gilt, die Selbstwirksamkeit der Betroffenen zu stärken und ihre Lebensqualität zu fördern.

In der Pflege werden unterschiedliche Ansätze genutzt, damit Übergänge besser gelingen. Dazu zählt beispielsweise das Care Management für die Begleitung von akut oder chronisch kranken Menschen. Im Bereich der Palliative Care ist es besonders wichtig, vorausschauend zu planen. Damit den Veränderungen im Krankheitsverlauf mit den nötigen Massnahmen begegnet und den Wünschen der Betroffenen entsprochen werden kann. Um auf kritische Übergänge bei schwerkranken Menschen vorbereitet zu sein, hat sich in den letzten Jahren das Advance Care Planning zunehmend etabliert.


Kontinuität gewährleisten

Eine sorgsame Begleitung von Menschen im Übergang ist immer wichtig. Bei Menschen mit chronischen Krankheiten spielt sie aber eine besondere Rolle. Denn die Versorgungssituation von unheilbar erkrankten Menschen erstreckt sich Dank der modernen Behandlungsoptionen meist über viele Jahre und beinhaltet viele Übergänge. Im Krankheitsverlauf durchleben die Betroffenen verschiedene Phasen: die Diagnose, der meist eine unterschiedlich lange Zeit der Unsicherheit vorausgeht. Häufig stellt die Diagnose einer chronischen oder lebenslimitierenden Krankheit eine Krise für die Betroffenen dar. Behandlung und Pflege führen dazu, dass sich der Zustand meist stabilisiert und die Betroffenen lernen, mit den Veränderungen und den daraus entstehenden Konsequenzen umzugehen. Im Verlauf einer chronischen Krankheit können aber immer wieder instabile Phasen auftreten. Es ist wichtig, dass der Wechsel der verschiedenen Krankheitsphasen frühzeitig erkannt und die Behandlung und Unterstützung durch Fachpersonen individuell angepasst werden. In diesen Übergängen ist die Kontinuität im Behandlungsteam besonders wichtig. Dies gilt vor allem dann, wenn verschiedene Akteure des Gesundheits- und Sozialwesens beteiligt und unterschiedliche Settings (z. B. Spital, Hausarzt, Spitex) in den Behandlungsablauf eingebunden sind. Hier setzt das Transitional Care Model (TCM) an. Es wurde vor ca. 20 Jahren gemeinsam von Forschenden und Gesundheitsfachpersonen der Praxis an der Universität von Pennsylvania entwickelt. TCM hilft, Versorgungsabläufe während eines Spitalaufenthaltes und darüber hinaus zu strukturieren und die Betreuungskontinuität zu verbessern.

Abb. 3: Prozess des Transitional Care Model (angelehnt an Nasrabad, 2017)


Wie Übergänge in der Praxis gestaltet und wie Betroffene und Angehörige dabei angemessen begleitet werden können, zeigt das
Careum Pflegesymposium am 12. Juni 2018 in Aarau.


Dr. phil. Elke Steudter | Pflegewissenschaftlerin | Careum Weiterbildung

 

Quellen

Bitschau, K.W. (2016). Übergänge gestalten. In: pflegen: palliativ, Heft 31, Hannover/Velber: Friedrich Verlag, 4–7.

Nasrabad, R.R. (2017). Introducing a new nursing model for patients with chronic conditions. Electronic Physican, 9 (2), 3794–3976.

Meleis, A. I. (2010). Transitions Theory. Middle-range and situation-specific theories in nursing research and practice. New York: Springer Publishing Company.

Otten, T. (2016). Advance Care Planning – der Patientenwille als Maßstab. In: pflegen: palliativ, Heft 31, Hannover/Velber, 18–21.

 


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