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Welttag der Bildung

21.01.2020     Elke Steudter     695 Views     4 Kommentare

Bildung ist wichtig. Sie beeinflusst zum einen die individuelle Gesundheit. Zum anderen sind gut aus- und weitergebildete Fachpersonen eine wichtige Säule eines funktionierenden Gesundheits- und Pflegesystems. Was es damit auf sich hat, lesen Sie hier.

Bild: Gemeinsam lernen (Quelle: Visualhunt)

Am 24. Januar begehen die Vereinten Nationen den Welttag der Bildung. Bildung wird als Grundrecht betrachtet und entsprechend im Artikel 26 der Menschenrechte deklariert. In den westlichen Industrienationen erscheinen die Bedingungen für Bildung zunächst gut. Dennoch schätzt der Schweizer Dachverband Lesen und Schreiben, dass 800.000 Menschen in der Schweiz Mühe mit Lesen und Schreiben haben. Neben den Konsequenzen für das Berufs- und Sozialleben hat dies auch Auswirkungen auf die Gesundheitskompetenz der betroffenen Menschen. Denn viele Informationen zur gesunden Lebensweise oder krankheitsbezogene Ratgeber, z. B. von der Schweizer Herzstiftung werden schriftlich – entweder online oder als Printversion – verbreitet. Es zeigt sich darüber hinaus, dass gebildete Menschen besseren Zugang zum Gesundheitssystem haben, das sie für verschiedene Krankheiten ein geringeres Erkrankungsrisiko aufweisen (z. B. Demenz) (DGN, 2015) und das sie später sterben, als Menschen mit geringem Bildungsniveau (Robert Koch-Institut, 2015).

Patienten- und Angehörigenbildung – zentrales Anliegen im Gesundheitswesen

Damit Menschen selbstbestimmt gesundheitsbezogene Entscheidungen treffen können – sei es im Sinne der Vorbeugung oder der Behandlung – müssen sie über die richtigen Informationen in verständlicher Art und Weise verfügen. Ist dies gewährleitet, kann sich dies positiv auf die individuelle Gesundheit auswirken. Verständliche und vertrauenswürdige Informationen über Versorgungsleistungen oder Behandlungsoptionen sind auch nötig, um sich gut und sicher im Gesundheitssystem zurechtzufinden. Dies ist vor allem zu Beginn einer Krankheit wichtig. In dieser Phase, die vielfach von Angst und grosser Unsicherheit gekennzeichnet ist, verändert sich der Alltag der Betroffenen und ihrer Angehörigen meist einschneidend.

Patientenbildung und Gesundheitskompetenz sind eng miteinander verwoben und in den letzten Jahren zu zentralen Themen im Gesundheitswesen avanciert, denen sich beispielsweise die Gesundheitsdirektion Zürich und die Careum Stiftung seit 2019 mit dem Programm Gesundheitskompetenz Zürich gemeinsam annehmen. Auch die Gesundheitsligen, wie z. B. die Schweizer Krebsliga oder die Schweizer Rheumaliga haben einen wichtigen Anteil daran, dass erkrankte Menschen selbstbestimmt und verantwortungsvoll mit einer Krankheit (weiter-) leben können.

Gebildete Fachpersonen beeinflussen Behandlungsergebnisse

Verschiedene Untersuchungen konnten zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen dem Ausbildungsniveau von Pflegefachpersonen und den Pflegeergebnissen besteht. Die Pflegepraxis und die Pflegewissenschaft entwickeln sich rasant. Immer mehr wissenschaftlich generierte Erkenntnisse müssen mit den praktischen Pflegeerfahrungen abgeglichen und kombiniert werden, um eine Pflege zu gewährleisten, die dem evidence-based Vorgehen entspricht. Dabei wird auch weiterhin entscheidend sein, wie diese Erkenntnisse den Pflegenden zugänglich gemacht werden bzw. wie Pflegende ihr Fachwissen auf dem aktuellen Stand halten, um die zukünftigen Herausforderungen gut und effektiv meistern zu können.

Bild: Studierende von Careum Weiterbildung

Wer muss was zukünftig wissen?

Die Aufgaben der Pflegepraxis haben sich in den letzten Jahren weiter ausdifferenziert. Pflegerische Kompetenzen müssen dem Bedarf und der Verfügbarkeit von Pflegenden angepasst werden und verschieben sich. Neue Berufsbilder und -rollen, die mit veränderten Aufgaben und Tätigkeitsfeldern einhergehen, entwickeln sich in der Pflege, wie sie beispielsweise für den Bereich der Langzeitpflege im Projekt INTERCARE untersucht und aufgegleist werden (Zúñiga et al., 2017).

In der Regel aktualisieren bzw. spezifizieren Pflegefachpersonen ihr Fachwissen nach dem allgemeinen Abschluss als diplomierte Pflegefachperson in einer Weiterbildung auf Tertitärstufe B (an einer Weiterbildungsinstitution) oder Tertitärstufe A (an einer Hochschule). Interessierte sollten sich zunächst einen guten Überblick über Anbieter, Aufbau und Abschlusskompetenzen der jeweiligen Weiterbildungen verschaffen. Die Zulassung an die jeweilige Institution ist an unterschiedliche Voraussetzungen gebunden. In der Selbstreflexion und im Gespräch mit Vorgesetzten kann in einem ersten Schritt eruiert werden, welcher Bildungsweg einem offen steht. Um den individuellen Bildungsweg erfolgreich zu beginnen, kann auch eine Laufbahnberatung sehr hilfreich sein. Gemeinsam mit den Beraterinnen und Beratern können die bisherige Bildungsbiografie und das Stärkenprofil mit den Weiterbildungsmöglichkeiten abgeglichen und eine passende Empfehlung ausgesprochen werden.

 

 

Dr. Elke Steudter | Pflegewissenschaftlerin | Careum Weiterbildung, Aarau

 

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Neurologie (2015). Demenz: Schützt Bildung das Gehirn? https://www.dgn.org/presse/pressemitteilungen/3061-demenz-schuetzt-bildung-das-gehirn  

Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2015) Gesundheit in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Gemeinsam getragen von RKI und Destatis. RKI, Berlin. https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GesInDtld/GesInDtld_node.html

Zúñiga, F., Basinska, K., Kressig, R.W., Andreas Zeller, A. & Simon, M. (2017). Das Projekt INTERCARE. Pflegegeleitete Versorgungsmodelle in der Langzeitpflege. Prim Hosp Care; 17(14): 270–271.


Kommentare

Wälchli Schaffner Marlène
Am 23.01.2020 veröffentlicht.

Liebe Elke
Herzlichen Dank für deinen Beitrag. Es erfüllt mich mit Dankbarkeit, in einem Land zu leben wo BILDUNG grossgeschrieben und unterstützt für alle zugänglich ist.


Elke Steudter
Am 24.01.2020 veröffentlicht.

Liebe Marlene
Da kann ich dir nur zustimmen. Die unterschiedlichen Bildungsstufen und Bildungsangebote eröffnen Möglichkeiten, die Vielen offen stehen. Besonders schätze ich das Prinzip "kein Abschluss ohne Anschluss", da es die stetige persönliche und berufliche Weiterentwicklung unterstützt und Potenziale fördern kann.


katharina simek
Am 30.01.2020 veröffentlicht.

Ich möchte erfahren welche Möglichkeiten für mich (weiblich, 53 J.) mit SRK Pflegehelferin Zertifikat bei Euch zur Weiterbildung offen stehen.
Mit freundlichen Grüßen
KS


Marlène Wälchli Schaffner
Am 07.02.2020 veröffentlicht.

Guten Tag Frau Simek
Ich freue mich über einen persönlichen Austausch mit Ihnen. Rufen Sie mich an.
+41 62 837 58 39


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