Careum FachNews

Demenz – Update 2019

24.09.2019     Elke Steudter     732 Views     0 Kommentare

Welt-Alzheimertag am 21. September – ein guter Grund, um zu schauen, was es Neues zum Thema Demenz und Versorgung von Menschen mit Demenz gibt.

Abbildung 1: Mit Demenz den Alltag bewältigen (Quelle: Photo Visualhunt

Alzheimer ist inzwischen die gefürchtetste Krankheit in den USA und hat Krebs auf Platz 2 verdrängt. In England und Wales stirbt die Bevölkerung am häufigsten an der Demenz bzw. an ihren Folgen. In den letzten 20 Jahren wurden über 100 neue Medikamente gegen Alzheimer erforscht – nur vier von ihnen erhielten eine Zulassung. Und auch die erzielen keine Heilung und stehen längst nicht allen alzheimererkrankten Frauen und Männer zur Verfügung. Nur einige der Fakten, über die der World Alzheimer Report (2018) berichtet. Und wie zeigt sich die Situation in der Schweiz?

Demenz rückt immer mehr in den Vordergrund

Aktuell wird geschätzt, dass über 150.000 Menschen in der Schweiz von einer Demenz betroffen sind. Prognosen gehen davon aus, dass sich diese Zahl in etwas mehr als 20 Jahren verdoppelt haben wird. Ging man noch vor wenigen Jahren davon aus, dass eine überschaubare Anzahl verschiedener Demenzformen besteht (z. B. Alzheimer-Demenz, vaskuläre Demenz), wird Demenz heute in medizinischen Fachkreisen und Klassifikationen eher als Oberbegriff für über 100 verschiedene Krankheiten, die das Gehirn betreffen können, verwendet (Alzheimer Vereinigung Schweiz, 2019). Auch die Häufigkeit, mit der alte Menschen an einer Demenz erkranken, wurde nach oben korrigiert. Lange ging man davon aus, dass sich das Risiko, eine Demenz zu entwickeln, alle fünf Jahre verdoppelt. Rechnete man also bei 65-Jährigen mit 1% Erkrankten, bei 70-Jährigen mit 2% usw., gelangte man bei 90-Jährigen auf 33%. Inzwischen zeigt sich, dass dies zu optimistisch geschätzt wurde. Heute geht man davon aus, dass etwas mehr als 40% der Menschen über 90 Jahren von einer Form der Demenz betroffen sind (Alzheimer Vereinigung Schweiz, 2019).

Pflege und Betreuung bleiben weiterhin wichtigste Behandlungsansätze

In der Schweiz und weltweit wird mit Nachdruck an neuen Behandlungsansätzen für Menschen mit Demenz gearbeitet. Dies vor allem für die Formen der primären Demenzen, bei denen das Gehirn pathophysiologisch verändert ist und die Demenzsymptome nicht durch andere – meist gut behandelbare – Ursachen, z. B. Depressionen, Schilddrüsenunterfunktion u. a., hervorgerufen werden. Die Medikamentenforschung musste unterdessen einen herben Rückschlag hinnehmen. Die Alzheimer Gesellschaft Schweiz berichtet, dass Anfang dieses Jahres gleich zwei Medikamentenstudien, an denen auch Pharmaunternehmen der Schweiz beteiligt waren, eingestellt wurden. Die getesteten Substanzen erwiesen sich als wenig effektiv und verursachen Nebenwirkungen, die ein negatives Nutzen-Risiko Verhältnis zur Folge hatten. Somit bleiben auch weiterhin die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz durch Fachpersonen, die mit personzentrierten Interventionen auf die Bedürfnisse der demenzerkrankten Menschen und deren Angehörigen eingehen, einer der wichtigsten Behandlungsansätze überhaupt.

Über die Strategie hinaus denken

Ende dieses Jahres läuft die Nationale Demenz-Strategie 2014–2019 aus. In vielen Praxis- und Forschungsprojekten wurden aktuelle Fragen rund um die Demenz und die betroffenen Menschen sowie ihrem Umfeld aufgegriffen und untersucht. Die Ergebnisse der verschiedenen Handlungsfelder wurden vom Bundesamt für Gesundheit laufend veröffentlicht und an Fachtagungen von den Forschenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diskutiert. Nun gilt es, die gewonnenen Erkenntnisse, aber auch die Versorgungslücken sowie die Herausforderungen in der Behandlung, Pflege und Betreuung auch über die nationale Strategie hinaus nicht aus dem Blick zu verlieren. Das bedeutet auch, die verschiedenen Ressourcen und Unterstützungsangeboten weiterhin zu bündeln, Fachpersonen zielorientiert weiterzubilden und so die Situation der Menschen mit Demenz und ihren An-, Zu- und Beigehörigen weiterhin aktiv zu verbessern.

 

Dr. phil. Elke Steudter ¦ Pflegewissenschaftlerin ¦ Careum Weiterbildung

 

Quellen

Alzheimer`s Disease International (2018). World Alzheimer Report. The state of the art of dementia research: New frontiers. London.

Alzheimer Vereinigung Schweiz (2019). Demenz. Bern. https://www.alzheimer-schweiz.ch/startseite/


Kommentare

Diskutieren Sie mit

Bitte folgenden Code im Feld eintragen: 96981
* = bitte ausfüllen