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Praxisprobleme der Pflege (er-)kennen und lösen

13.08.2019, 1 Kommentar

Damit Pflege und Betreuung reibungslos gelingen können, müssen viele Faktoren berücksichtigt werden. Und dies meist unter ständig wechselnden Bedingungen. Gut, wenn das Team dann fachlich geführt und in seinem Handeln unterstützt wird. Was es dabei zu beachten gilt, lesen Sie hier.

Von Elke Steudter

Abbildung 1: Im Team gemeinsam Lösungen finden (Quelle: Photo Visualhunt)

Noch nie war so viel pflegerisches Wissen vorhanden wie heute. Pflegepersonen unterschiedlicher Aus- und Weiterbildungsstufen arbeiten in Teams gemeinsam daran, die Lebensqualität der alten, kranken und/oder pflegebedürftigen Menschen zu verbessern, die Versorgungsqualität zu steigern und die Abläufe der Zusammenarbeit mit anderen zu optimieren. Dazu nutzen sie aktuelles Fachwissen, das im besten Fall auf qualitativ hochwertigen Studien basiert.

Nutzbares Wissen für die Arbeit mit Patientinnen und Patienten

Die anspruchsvolle Arbeit mit und für alte, kranke und/oder pflegebedürftige Menschen verlangt viel von den Pflegenden und den Teams. In allen Settings haben sich in den vergangenen Jahren die Tätigkeiten weiter verdichtet. Immer umfangreicher, vielfach komplexer und zeitlich immer knapper kalkuliert werden gesundheitsbezogene Dienstleistungen im 7-Tage-Betrieb erbracht. Damit dies weiterhin in guter Qualität gelingen kann, werden inzwischen viele Teams durch eine/n Fachverantwortliche/n unterstützt. Die fachverantwortliche Person verfügt nicht nur über vertieftes und erweitertes Wissen im jeweiligen Fachgebiet, sie nutzt darüber hinaus verschiedene Strategien und Erfahrung, um dies auch an die Teammitglieder weiterzugehen und so letztendlich den Patienten und Patientinnen zugutekommen zu lassen. So kann sich beispielsweise eine evidenzbasierte Praxis – im Englischen als Evidence-based Practice (EBP) bezeichnet – entwickeln. Im Gegensatz zur evidenzbasierten Pflege bzw. dem Evidence-based Nursing (EBN) betont der EBP-Ansatz auch das Interprofessionelle und Interdisziplinäre (Hantikainen & Huth, 2007). Der Prozess des EBP sollte sich wann immer möglich aus der Sicht der Patienten und Patientinnen heraus initiiert werden (Mazurek Melnyk et al., 2010). Denn für die Lösung ihrer Gesundheitsprobleme und ihrer Pflegebedürfnisse soll auf das bestverfügbarste Wissen zurückgegriffen werden. Nur so kann Wissen Relevanz für die Pflege erlangen und nachhaltig bei den Pflegeempfänger/innen wirken. EBP im Pflegealltag umzusetzen und weiterentwickeln ist eine bedeutende und gleichzeitig verantwortungsvolle und mitunter herausfordernde Aufgabe von fachführenden Pflegepersonen.

Aufgabenspektrum und Profilanforderung

Das Aufgabenspektrum der fachlichen Führungsperson ist ebenso gross wie das Profil, dass diese Person kennzeichnet. Unabdingbar ist dabei wie bereits erwähnt ein vertieftes, ausgewiesenes und fundiertes Wissen im jeweiligen Fachgebiet, wenn möglich darüber hinaus. Die fachführende Person zeichnet die Fähigkeit aus, übergeordnet und kritisch zu denken, aufgrund des Wissens und der Erfahrung zu urteilen und zu entscheiden. Darüber hinaus behält sich auch in komplexen Patientensituationen den (fachlichen) Überblick, sammelt gezielt relevante Informationen und interpretiert diese folgerichtig. Darüber hinaus soll sie die Mitglieder im Team motivieren und anregen, ihr Handeln kritisch zu reflektieren und gegebenenfalls anzupassen (vgl. Lammert & Seiter, 2018). Die besondere Herausforderung an diesem Aufgabenspektrum liegt unter anderen auch darin, dass alle diese Tätigkeiten ausgeführt werden, ohne für die disziplinarische Führung verantwortlich zu sein. Denn idealerweise werden beide Bereiche von zwei oder mehr Personen übernommen (Steudter, 2017).

Entwicklungschancen nutzen

Wahrscheinlich standen sich noch nie so viel pflegerisches Fachwissen auf der einen und so dringliche Aufgaben im Gesundheits- und Sozialwesen auf der anderen Seite gegenüber wie heute. Dabei können sowohl das Gesundheits- und Sozialwesen als auch die Pflegenden selbst von dieser Entwicklung profitieren. Aufgrund der vielfältigen Aufgaben sind neue pflegerische Rollen- und Kompetenzprofile entstanden, die nun durch entsprechend engagierte und aus- und weitergebildete Pflegefachpersonen besetzt werden können. Das dazu nur pflegerisches Fach- und Handlungswissen und Interesse nicht ausreichen, wurde oben schon erwähnt. Um die anspruchsvolle Aufgabe der fachlichen Führung und die damit einhergehende Rolle übernehmen zu können, sollten Strategien zur Verbesserung der Pflege- und Prozessqualität, die Fähigkeit, Konflikte konstruktiv und kreativ zu lösen, critical thinking und Entscheidungsfreude ebenso wie die Fähigkeit, das eigene Menschenbild kritisch zu beleuchten, vorhanden sein und weiterentwickelt werden. Dies gelingt am besten mit einer massgeschneiderten Weiterbildung, in der die Inhalte nicht nur verständlich vermittelt, sondern die Strategien und Modelle – zum Beispiel zur Konfliktlösung oder zum Kommunikationsverhalten – auch praktisch trainiert und reflektiert werden.

Dr. phil. Elke Steudter | Pflegewissenschaftlerin | Careum Weiterbildung

 

Quellen


Hanitkainen, V. & Huth, M. (2007). Evidence-Based Practice (EBP): Theorie und Praxis im Zusammenspiel. Lebensqualität, 4, 30–33.

Lammert, K. & Seiter, C. (2018). Fachliche Führung: Ihr Start in die erste Führungsposition. Online unter https://www.haufe-akademie.de/blog/themen/fuehrung-und-leadership/fuehren-ohne-vorgesetztenfunktion-so-gelingt-der-start-in-der-neuen-rolle-als-fuehrungskraft/

Mazurek Melnyk, B., Finout-Overholt, E., Stillwell, S.B. & Williamson, K.M. (2010). The Seven Steps of Evidence-Based Practice Following this progressive, sequential approach will lead to improved health care and patient outcomes. AJN, 110(1), 51–53.

Steudter, E. (2017). Delegieren und fachlich führen. Kurs Careum Weiterbildung, Aarau


Kommentare

Andrea Käppeli
Am 14.08.2019 veröffentlicht.

Liebe Elke
Vielen Dank für die spannenden Ausführungen zur fachlichen Führung. Ich teile deine Ansicht unbedingt, dass pflegerische Fach- und Handlungskompetenz und Interesse allein nicht ausreicht, um die Rolle der fachlichen Führung auszufüllen. In meiner Praxis (wir haben ein auf unseren Pflegedienst angepasstes Shared Governance Modell) erlebe ich, dass fachliche Führungskompetenz sich nicht nur für die Patientinnen und Patienten sondern auch für deren Angehörigen und das Behandlungsteam eine Bereicherung darstellt. In Teams, die eine kompetente fachliche Führungsperson einsetzen, ist beobachtbar dass z.B. Veränderungen/ Innovationen rascher und erfolgreicher umgesetzt werden. Potenzial besteht auch darin, weil das Thema Pflegequalität einen zentralen Stellenwert mit deklarierter Anlaufstelle erhält. Ich wünsche mir dass es gelingt, diese Rolle weiter auszubauen und alle Pflegefachpersonen mit einer fachlichen Führungsaufgabe entsprechend mit den Kompetenzen auszurüsten. Der neue NDK "Fachverantwortung Pflege" verspricht ja genau in dies zu unterstützen. Vielen Dank für dieses tolle Angebot.


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