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Kreativität und Innovation in der Pflege

10.07.2018, 0 Kommentare

Der berufliche Alltag fordert Pflegende vielfach heraus. Dann sind kreative und innovative Ideen und Lösungen gefragt. Wie dies in der Pflege gelingen kann, lesen Sie hier.

Von Elke Steudter

Abb. 1: Kreativität (Quelle: Photo Visual Hunt)


Viele Pflegende kennen das: Auf der einen Seite der wachsende fachliche Anspruch, auf der anderen Seite die Realitäten des klinischen Alltags – die Diskrepanz zwischen beiden Anliegen scheint immer grösser zu werden. Individualisierte Pflege, sich schnell verändernde Situationen, komplexe Herausforderungen, unterschiedliche Ressourcen – auch in der Pflege sind Kreativität und Innovation mehr denn je gefragt. Was bedeuten die Begriffe überhaupt?

Dem Wortlaut nach ist Kreativität die Fähigkeit eines Menschen, auf geistigem, künstlerischem Gebiet Ideen zu entwickeln, die aus eigener Initiative heraus entstehen. Synonym finden sich Wörter wie erfinderisch, fantasievoll, originell oder schöpferisch. Somit ist Kreativität ein kognitiver, intellektueller – also gedanklicher – Prozess, der Neues hervorbringt. Dieser Prozess verläuft nach Graham Walles in einer bestimmten Reihenfolge (vgl. Abb. 2).

Dem lateinischen Ursprung «innovare» nach meint Innovation etwas neu machen oder erneuern. Oft verbindet man mit dem Begriff die Vorstellung, dass etwas bisher nicht Vorhandenes, noch nie Dagewesenes präsentiert wird. Meist geht es aber einfach darum, Bekanntes und Bestehendes mit neuen Ideen zu versehen und dadurch zu verbessern. Kreativität und Innovation sind verwandte Begriffe, da beides eine – möglichst positive – Änderung des Bisherigen anstrebt.

Abb. 2: Kreativitätsmodell in Anlehnung an Graham Walles (Abel, 2005)

 

Neugierde, Offenheit und Mut sind wichtige Voraussetzung

Jeder Mensch kann kreativ sein. Die Fähigkeit dazu wird aber unterschiedlich genutzt. Neue Ideen zu entwickeln und sich mit dem (noch) Unbekannten auseinanderzusetzen benötigt Neugierde, Offenheit und Mut. Bekannte Wege müssen – zumindest gedanklich – verlassen, der Fantasie freien Lauf gelassen und mögliche Hindernisse umschifft werden. Kein einfaches Unterfangen in der zunehmenden Pflegeroutine, in der alles nach Plan und meist in einer bestimmten Zeit verlaufen sollte. Doch nur durch kreatives Denken, das in eine Handlung überführt wird, kann Neues und dadurch auch Besseres entstehen.


Kreativität wirkt – auch in der Pflege

Eine Studie der Frage nach, wie Kreativität in der Pflege wirkt. Es zeigte sich, dass Pflegende, die Lösungsansätze kreativ entwickeln und nicht ausschliesslich den routinierten Weg verfolgen, zu einer verbesserten Patienten- und Patientinnenversorgung beitragen. Aber nicht nur die kranken Menschen profitierten von diesem Vorgehen. Auch die Pflegenden selbst waren zufriedener mit der Arbeit und bemerkten darüber hinaus positive Veränderungen im sozialen und persönlichen Bereich.


Kann man Kreativität lehren?

Wenn das kreative Vorgehen, also die prozesshafte Entwicklung von neuen Ideen und Ansätzen, von so grosser Bedeutung für die Pflege ist, stellt sich die Frage, ob Kreativität auch lehrbar ist. Ein Review zeigte, dass Kreativität in der Pflegeausbildung vermittelt und die Fähigkeit zum kreativen Denken gefördert werden können. Entscheidend dabei ist, wie gelehrt wird. Wichtig ist, vielfältig, auf verschiedenen Wegen und freiwillig zu lernen. Lernende sollen dabei unterstützt werden, Zuversicht in Bezug auf ihr eigenes Lernen und ihre Kreativität zu entwickeln. Als ebenfalls förderlich hat sich das Lernen in der Gruppe gezeigt. Dabei sollten die Lehrenden selbst kreative Lern- und Lehrmethoden anwenden. Wie das Modell nach Walles (vgl. Abb. 2) zeigt, benötigt Kreativität aber auch Zeit, damit neue Gedanken entstehen und Bekanntes mit Neuem verknüpft werden können.


Innovationen für eine zukunftsfähige Pflege

Den Veränderungen im Pflege- und Gesundheitswesen muss mit neuen Ansätzen und Lösungsvorschlägen begegnet werden. Beispielsweise können verschiedene Arbeitsabläufe neu durchdacht und zukünftig anders organisiert werden. Schon heute übernehmen beispielsweise technische Assistenten verschiedene Aufgaben, um die Pflege und Versorgung von alten Menschen zu unterstützen, z. B. die Notfallarmbanduhr oder grossflächige Fussmatten. Letztere erkennen, wenn jemand gestürzt ist und lösen Alarm aus. Auch der Einsatz von Pflegerobotern wird immer wieder diskutiert. Sie heissen Care-O-Bot oder Pepper und verrichten schon heute – noch überwiegend im Versuchsstadium – ihre Dienste in Pflegeeinrichtungen.

Eine Innovation, mit der Pflegende sich in den nächsten Jahren in der Schweiz auseinandersetzen müssen, ist das elektronische Patienten- und Patientinnendossier. In den Spitälern werden diese bis 2020 eingerichtet. Die Patienten und Patientinnen sollen dann entscheiden können, ob eine rein elektronische Dokumentation ihrer Gesundheits- und Krankengeschichte angelegt werden soll. Zwei Jahre später müssen auch die Pflegeheime die dazu nötigen Ressourcen zur Verfügung stellen. Ein entsprechendes Gesetz ist im April 2017 in Kraft getreten.


Pflegende im Umgang mit Innovationen befähigen

Damit Innovationen in der Pflege sinnvoll von allen Beteiligten genutzt werden können, sollten Pflegende ihre Fähigkeit zum innovativen Handeln erweitern. Wie dies gelingen kann wurde in dem Projekt «Innovations- und Demografiemanagement in Gesundheits- und Sozialberufen – InnoGESO» in Deutschland untersucht. Das 2015 abgeschlossene Vorhaben ging der Frage nach, welche Faktoren nützlich bzw. hinderlich sind, um mit Innovationen umzugehen. Es zeigte sich, dass die Motivation der Mitarbeitenden in Bezug auf Neues ebenso wichtig ist wie die Fähigkeit, auftretende Schwierigkeiten im Umgang mit Neuem klar zu benennen. Vorgesetzte sollten auf dem Weg zu Veränderungen Bewältigungsstrategien verdeutlichen und das Verhalten der Teammitglieder reflektieren.

 

Dr. phil. Elke Steudter | Pflegewissenschaftlerin | Careum Weiterbildung

 

Quellen

Abel, G. (2005). Kreativität. Hamburg: Felix Meiner Verlag.

Chan, Z. (2012). A systematic review of creataive thinking/creativity in nursing education. Nurse Education Today. Springer. (3.7.18)

Duden (2002). Bedeutungswörterbuch. 3. Auflage. Mannheim: Dudenverlag.

ehealthsuisse (2018). Elektronisches Patientendossier (3.7.18)

Hinding, B. & Kastner, M. (2015). Innovativität als Erfolgsfaktor im demografischen Wandel. Trainingsmodule zur ganzheitlichen Förderung der Innovationskompetenz von Beschäftigten in der Pflege und in der Sozialen Arbeit. Lengerich: Pabst Verlag.

Isfahani, S.S. (2015). Nurses creativity: Advantage or Disadvantage. Iran Red Crescent Med J. (3.7.18)


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